Offenbacher Pils. Hopfen und Malz ist noch nicht verloren.

Offenbacher Pils

… Meine heutige Reise hat mich in das neue Hafenviertel geführt. Wo früher schwere Güter vom Schiff auf die Schiene oder den LKW verladen wurden, treffe ich mich heute mit Josip Budimir. Josip ist gebürtiger Offenbacher und der Erfinder des Offenbacher Pils. Er kann sich sicher noch gut an das frühere Erscheinungsbild erinnern, denn hier am Hafen war es nicht immer so schick. Seit ein paar Jahren wird hier nämlich mächtig gebuddelt. Industrielles Brachland und kreative Flächen müssen weichen, damit Luxusimobilien ihr Fundament finden können. Als Treffpunkt für heute, habe ich den blauen Hafenkran ausgesucht. Dieser steht noch, stiftet regionale Identität und passt deshalb sehr gut als Erscheinungsbild, zu dem Herzensprojekt von Josip Budimir. Mit seinem Bier möchte er nämlich nicht nur süffig-derben Hopfensaft unter die Leute bringen, sondern darüber hinaus Heimatgefühl vermitteln und seiner Stadt Offenbach etwas zurückgeben.

Mir hat er Bier mitgebracht, … darauf erstmal Prost!

 

 

Aber alles der Reihe nach,

Josip hat seine Laufbahn 1979 im Stadtteil Lauterborn begonnen. Dort ist er mit seiner Familie aufgewachsen und hat mit seinem Fahrrad die vielen bunten Facetten von Offenbach erkundet. Im Gespräch erfahre ich, dass er als junger Bub seine Zeit gerne auf dem Schneckenberg verbracht hat. „Dort hatte man einen großartigen Ausblick über ganz Offenbach und auch noch weiter bis nach Mühlheim.“ In dem Waldstück vor dem Berg, erinnert er sich, „gab es dann noch eine kleine BMX-Strecke, auf der ich öfter ein paar Runden gedreht habe.“ Der Bezug und die Begeisterung zum Fussball war für den Offenbacher auch schon immer vorhanden. Josip hat sehr positive Erinnerungen an seine Anfangstage auf der Rosenhöhe, dort hat er gekickt, was das Zeug hält. Später hat es ihn dann zu Kickers Spielen auf den Bieberer Berg gezogen. Von der Grundschule in Lauterborn, über das bestandene Abi am Albert-Schweizer-Gymnasium, hat er die Aufnahmeprüfung an der HfG gemeistert. An der Hochschule für Gestaltung knüpfte Josip dann sehr schnell erste Kontakte in der Werbung und konnte bereits bei einigen Praktika Erfahrungen sammeln, die ihn sogar für ein paar Jahre in die Hansestadt Hamburg geführt haben. Seiner Heimatstadt Offenbach konnte er allerdings nie so ganz den Rücken zukehren. Für sein Studium der visuellen Kommunikation mit dem Schwerpunkt Freie Gestaltung ist er immer wieder zwischen den zwei Städten hin und her gependelt und hat im Jahr 2007 sein Diplom erfolgreich bestanden. Inzwischen hat er seine eigene kleine Familie gegründet und ist allein schon deshalb hier verankert. Vorerst ist er allerdings der Werbebranche in Hamburg treu geblieben.

 

 

Es vergingen noch ein paar Jahre bis er über einen spannenden Artikel in einer Zeitung gestolpert ist, der ihn im Jahr 2011 zurück nach Offenbach geholt hat. In dem Beitrag hat er von einem Dortmunder Mikrobiologen gelesen, der einem alten, traditionellen Bierrezept aus der Umgebung neues Leben eingehaucht hat. Diese Geschichte lies dem Offenbacher keine Ruhe. Schließlich hat er sich bei Spielen, die er auf dem Bieberer Berg bei Bier und Brezel mitgefiebert hat bereits gefragt: „warum gibt es in Offenbach bei einem Kickers-Spiel eigentlich kein Offenbacher Bier!?“ Er nahm den Artikel zum Anlass sich in das Stadtarchiv zurückzuziehen, um nach Anhaltspunkten und Antworten zu suchen, die auf ein altes Braurecht in Offenbach hingewiesen hätten. Leider Fehlanzeige. Er fand keine Bierrezepte. Bei seiner Recherche ist er zwar hier und da mal über ansässige Gaststätten gestolpert, die ihr Bier in Eigenregie gebraut haben, konnte letztendlich (trotz Bierbrauer-Weg in Offenbach) aber kein verbrieftes Braurecht finden.

 

 

Nachdem Josip keinen geeigneten Marketinghebel für sein Herzensprojekt finden konnte, an den er sich hätte dran hängen können, hat er sich dazu entschieden es einfach selber zu versuchen. Die meisten seiner Freunde und Bekannte haben ihm zwar von seinem Vorhaben abgeraten: „Das sei doch Selbstmord“ haben einige zu ihm gesagt, doch er hat es trotzdem durchgezogen. Josip hat recherchiert und sich richtig in die Materie „Bier“ hineingelesen, hat so ziemlich jede Fachmesse besucht, mit gleichgesinnten gefachsimpelt und mit einfachen Braukits (zuerst im Kochtopf seiner Mutter später dann im Thermomix seiner Frau) angefangen, eigene Ergebnisse zu produzieren. Hier mal ein bisschen mehr oder weniger Hopfen, um dann aber sehr schnell festzustellen, dass es mit der Reproduzierbarkeit seines Bieres doch eher schwer werden wird. Als einfaches Beispiel nennt mir Josip, „minimale Veränderungen in der Wasserhärte, die sich bereits auf den Biergeschmack auswirken können. Das kann man nicht so einfach zuhause überwachen, geschweige denn ausgleichen.“ An dem Punkt hat er bemerkt, dass er sein Baby nur mit einem verlässlichen, erfahrenen und professionellen Partner an das Licht der Welt bekommt.

In den darauf folgenden Wochen hat er dann sein Konzept ausgearbeitet und daraus eine klassische Bewerbungsmappe erstellt. „Ich wollte ein Bier für alle produzieren. Ein Bier das jedem schmeckt! Ich wollte kein exklusives Craftbier an den Start bringen, dass der Vati dann nur zu Weihnachten oder zum alljährlichen Geburtstag auf den Tisch stellt.“ Letztendlich machen Brauwasser, Gerstenmalz und Hopfen das Offenbacher Pils süffig, herb und heftig! Bääm!!

 

 

Pünktlich zum 500-jährigen Jubiläum des deutschen Reinheitsgebotes ist im April 2016 die erste Charge seines Offenbacher Bieres vom Band gelaufen. Mit der ersten Kiste im Gepäck hat sich Josip dann auf den Weg gemacht und alle seine Freunde zusammengetrommelt. Diese haben ihm auf dem Weg zum ersten fertigen Bier nämlich mächtig unter die Arme gegriffen und ihm mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Josip sagt: „Bei den ersten geliehenen Kisten, mussten wir zuerst das alte Logo abschmirgeln, damit wir im Anschluss meinen Aufkleber mit dem eigenen Logo anbringen konnten.“ Alleine diese freundschaftliche Geste seiner Freunde, hat mehr als die erste Kiste Bier verdient. Auf seinem Logo, welches jede Bierflasche ziert, finden wir übrigens das Eichenblatt und die Eichel, die man auch auf dem Offenbacher Stadtwappen wiederfinden kann. Heute hat Josip natürlich eigene Kisten im Programm. Diese lässt er fachmännisch nach seinen Vorgaben bedrucken, möchte den schweren Weg, den er die letzten Jahre gegangen ist allerdings nicht missen.

Josip hat in seinen Anfangstagen langsam aber sicher ein Gefühl für die Materie Bier bekommen. Es ist ganz egal ob man nun 2, 20 oder 200 Liter Bier produziert. Der Aufwand ist der Gleiche. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies sicherlich ein schwieriger Prozess und eine Frage des richtigen Timings war. Schließlich muss man inzwischen nicht nur den eigenen Kühlschrank mit Bier füllen, sondern etliche Verkaufsstellen beliefern.

 

 

Bis das Offenbacher Pils auf dem Bieberer Berg ausgeschenkt wird, dauert es aber sicherlich noch gute 20 Jahre. Bei durchschnittlich 6000 Fussball-Fans, kann man sich grob ausrechnen wie viele Liter Bier bei einem Spiel vorrätig sein müssten. „Soweit bin ich mit meinem Offenbacher Pils noch lange nicht und so weit möchte ich im Moment auch tatsächlich noch nicht denken.“ Das sagt Josip mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Er stapelt seine Bierkisten nicht zu hoch, sondern freut sich eher darüber, dass er überhaupt die Chance bekommen hat seinen Traum zu realisieren.

„Ich meine, geh hier mal regional durch die Rewe Supermärkte, da steht mein Bier aus meiner One-Man-Show neben den großen anderen Namen. Das ist schon was! Mit der aktuellen Größe meines Unternehmens fühle ich mich sehr wohl. Ich habe ein Gespür für die Szene bekommen, kenne jeden meiner Geschäftspartner persönlich und bin gerade wieder an einem Punkt angelangt, wo ich meinen Kopf mal wieder frei habe, mich um meine Familie zu kümmern und auch mal am heimischen Kessel Bier brauen kann, um etwas neues auszuprobieren. Irgendwann ist auch bei mir mal Feierabend!!“

 

 

Für Josip geht es in erster Linie darum Offenbach ein Gefühl zurückzugeben. Bier ist in Deutschland nämlich viel mehr als nur ein Getränk, es transportiert Heimat und Identifikation. „Bier ist Gefühl und für viele ist Bier eine Lebenseinstellung. Bier wird in allen Gesellschaftsschichten getrunken, ganz egal ob es nun der Banker im Businessanzug oder der Bauarbeiter im Blaumann ist. Bier ist Deutschland,“ sagt Josip und findet, dass jede Stadt einfach sein eigenes Bier verdient hat und dabei schließt er Offenbach mit ein. Sein Traum wäre es für die Zukunft einen Kessel in Offenbach aufzustellen und das Bier vor Ort zu brauen, um eben noch standortbezogener ein lokales Bier zu sein. Im Moment ist das für Josip aber alles noch Zukunftsmusik, er ist noch am ausloten wo die Reise hinführt. Und wer weiß, vielleicht erreicht er mit dem Offenbacher Pils für den Bieberer Berg, irgendwann so etwas wie das Astra Pils für den Underdog vom Millerntor: Kultstatus!!

Ein Hoch auf das deutsche Reinheitsgebot – Ole Ole – Prost!

 

Offenbacher Stoff UG  –  Bismarckstraße 161  –  63067 Offenbach am Main  –  Tel: 0174 4969187  –  Mail: kontakt@offenbacher-stoff.de

#schöneeckenausOffenbach

 


 

Klarstellung der Offenbacher Stoff UG wegen einer Unterlassungserklärung für Offenbacher Pils:

Die Offenbacher Stoff UG braut ihr Bier z.Zt. nicht in Offenbach, sondern in Arnstein bei der Brauerei Max Bender (das wurde von der Offenbacher Stoff UG zu keinem Zeitpunkt verheimlicht). Die Offenbacher Stoff UG darf das Produkt nicht mehr „Offenbacher Pils“ nennen, bis das Bier in einer Braustätte in Offenbach gebraut wird.“

 

6 Kommentare

    1. … Hallo Peter,
      Danke für dein Kommentar. Dass Bier wird in einer benachbarten Privatbrauerei gebraut. Genaueres kannst du über die Homepage vom Offenbacher-Pils erfahren!

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    1. … Ich finde das schon und sehe das Bier als Identifikationsprodukt für die Stadt Offenbach. Aber man kann natürlich wie immer von mehreren Blickwinkeln auf die Sache schauen! Ich mag die Botschaft vom Offenbacher Pils, Heimatgefühl zu vermitteln.

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    1. Hallo Lars,
      vielen Dank für dein Kommentar. Ich kann mich deiner Meinung nur anschließen. Das Bier ist Top und darüber hinaus freue ich mich das dir mein kleines Stadtmagazin #schöneeckenausOffenbach so gut gefällt. Weiter so und bis bald … 🙂

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