Kaffeerösterei Laier | Guter Geschmack lässt sich doch kaufen!

Kaffeerösterei Laier

Das Ziel meiner heutigen Reise hat mich wieder einmal an die Hauptschlagader von Offenbach geführt. Der Ort des Geschehens liegt nur einen Katzensprung vom schönen Wilhelmsplatz – dem Dreh- und Angelpunkt der Stadt – entfernt und steht bereits seit langer Zeit auf meiner Agenda der schönen Ecken aus Offenbach. Da Kaffeegenuss wahrscheinlich, nicht nur für mich, sondern auch für viele andere meiner treuen Leserschaft, zu einem festen Bestandteil des alltäglichen Lebens gehört, freue ich mich ganz besonders hinter die Kulissen der Kaffeerösterei Laier zu blicken. Der Satz: „Ich hol mal eben’n Kaffee beim Laier“ ist nämlich schon lange in meinen Sprachgebrauch übergegangen. Meine ersten Begegnungen mit dem Kaffee aus der Bieberer Straße hatte ich im Alter von 14 oder 15 Jahren. Damals gab es in direkter Nachbarschaft noch den „Kleider Frei“ und die Buchhandlung „Gondrom“. Um mein Taschengeld etwas aufzubessern, habe ich in den Sommerferien beim Outdoor-Geschäft „Sine“ ausgeholfen. In meinen Mittagspausen habe ich öfter Cappuccino und Latte Macchiato für die Belegschaft besorgt. Leckere Kaffeekreationen aus Italien – to go – im praktischen Pappbecher. Das war Neuland für mich. Knapp 20 Jahre liegen mittlerweile dazwischen. Seit dem hat sich in der Stadt einiges verändert, aber die Kaffeerösterei Laier ist für mich nach wie vor eine konstante Anlaufstelle.

 

 

Umso mehr freue ich mich, heute einmal genauer hinschauen zu dürfen. Ich möchte erfahren, wie das alles so funktioniert. An einem sonnigen Frühlingsfreitag bin ich daher mit der gut gelaunten Inhaberin Annette Laier verabredet. Anntette freut sich über meinen Besuch und über das bevorstehende Wochenende. „Mein Ausgleich zum anstrengenden Arbeitsalltag“, sagt Annette. Es geht ins Grüne. Doch vorher plaudern wir erstmal ein bißchen.

 

 

Noch ist es früh am Tag und wir verschwinden nach dem „Hallo“ in das Allerheiligste: Die Kaffeerösterei! Sie liegt gut versteckt hinter dem schönen und modernen, in Holz gehaltenen Verkaufsraum und beherbergt das Herzstück des Geschäfts. Eine Kaffeeröstanlage aus dem Hause Probat. Profiqualität made in Germany! Doch dazu später mehr. Beim Betreten der Rösterei fallen mir (neben der Röstanlage) sofort die vielen Kaffeesäcke ins Auge. Ich fühle mich vor Ort ein bißchen an den Hamburger Hafen und seine Speicherstadt erinnert. Hier lagern nämlich die Rohkaffeesorten der Kaffeerösterei Laier. Aktuell sind es zwölf verschiedene, aus denen mit einer großen Portion Know How ca. 25 unterschiedliche Kaffeemischungen entstehen. Wie viele Bohnen von der einen, bzw. einer anderen Sorte abgewogen werden und letztendlich in einer finalen Mischung landen, bleibt natürlich ein Betriebsgeheimnis. Wenn man sich die Firmengeschichte so anschaut, ist es schon erstaunlich, was seit der Gründung aus der Kaffeerösterei geworden ist.

 

 

Die Kaffeerösterei Laier hat sich über die Jahre zu einem Spezialitätengeschäft des guten Geschmacks entwickelt. In dem edlen Verkaufsraum finden aber nicht nur Kaffeeliebhaber wie ich es bin, sondern auch Teetrinker, Naschkatzen, Koch- und Backexperten sowie ernährungsbewusste Verbraucher ausgewählte Qualitäten, Markenprodukte und nahezu alles, was ausgefallen und selten ist. Das oberste Gebot gilt dem reinen Genuss. Bei dem Einkaufsprozess der vielen Genussprodukte wie z.B. Tee, Pralinen, Gebäck und Feinkost sowie der Auswahl der Rohkaffeesorten verlässt sich die Chefin auf ihren guten Geschmack. Aber wen verwundert es? Sie betreibt das Familienunternehmen ja bereits in fünfter Generation. Guter Geschmack wurde ihr mehr oder weniger in die Wiege gelegt! Bei meinem Besuch hatte ich das große Glück, für einen Moment mit ihrer Mutter Margarete zu plaudern. Bereits in jungen Jahren – nach dem Kindergarten – saß die kleine Annette nämlich am Küchentisch und hat Kaffeebohnen per Hand verlesen. Vielleicht liegt in dieser lustigen Beschäftigung aus Kindheitstagen der spätere Grundstein ihres Handelns? Was 1869 mit ihrem entfernten Verwandten Markus Niederreiter, mit einer Handvoll Kaffeesorten, begann und von Generation zu Generation mit einer erweiterten Verkaufsauswahl weitergegeben wurde, führt Annette mit ihren Mitarbeitern, jeder Menge Engagement und Liebe fürs Detail fort. All der Fleiß der zurückliegenden Jahre mündet in diesem Jahr in dem 150. Firmenjubiläum. Wenn das mal kein Grund zum Feiern ist!

 

 

Während unserem Gespräch bestätigt mir Annette die Worte ihrer Mutter. „Für mich war eigentlich schon in Kindheitstagen klar, dass ich irgendwann das Geschäft meiner Eltern übernehmen werde. Von Zuhause wurde mir nämlich eine gewisse Richtung vorgegeben.“  Es galt, das nötige RöstRüstzeug zu erlangen. Der Besuch der Realschule gehörte für Annettes Eltern zum Pflichtprogramm, das Abitur galt als Kür. „Nach meinem bestandenen Wirtschaftsabitur und der erfolgreichen Ausbildung zur Industriekauffrau ging es für mich – nach einem kurzen Auslandsaufenthalt in Amerika – direkt in die Kaffeerösterei.“ An die Fußstapfen, die es fortan auszufüllen galt bzw. wie groß diese waren, hat sie erstmal keinen Gedanken verloren. „Ich bin in meine heutige Rolle einfach hineingewachsen,“ sagt Annette.

 

 

Sie hat ihre Kräfte lieber in die bevorstehenden Aufgaben einer frisch gebackenen Inhaberin gesteckt und nach mehreren Umbauten die Verkaufsfläche erstmal um eine angeschlossene Café Bar erweitert. Die gemütlicheCafé Bar am Wochenmarkt gibt es heute noch, sie wird inzwischen allerdings in Eigenregie von Jutta Maria Jäger geführt. Das schlauchartige Café profitiert aber nach wie vor von den frisch gerösteten Kaffeesorten aus der benachbarten Rösterei. Um den Kaffee aus dem Hause Laier noch etwas zu versüßen, stehen selbstgemachte Kuchen- und Gebäckkreationen, sowie frische Odenwälder Bio-Milch auf der Karte der kleinen Café Bar. Eine köstliche Symbiose!

 

 

Das ist aber noch lange nicht alles. Neben den Umbauten und der Erweiterung der Verkaufsfläche um die Café Bar, hat Annette bereits sehr früh auf das Word-Wide-Web gesetzt und ihr Sortiment in einem eigenen Onlineshop an den Start gebracht. „Ich habe da relativ früh Pioniergeist bewiesen, mich getraut und so richtig in die Sache reingefuchst. Dazu gehörte es, dass Erscheinungsbild des Onlineshops mitzugestalten, mich IT-seitig in das Backend (Shopsystem) einzuarbeiten und zu programmieren sowie ein übergreifendes und funktionierendes Warenwirtschaftssystem einzuführen,“ sagt Annette. Sie hat Stift und Papier der Kaffeerösterei Laier gegen eine Datenbank eingetauscht und diese autodidaktisch und in Eigenregie in die digitale Welt geführt.

 

 

Trotz der ganzen Neuerungen im Hause Laier, ist und bleibt das Steckenpferd der Kaffee und die hauseigene Kaffeerösterei. Bereits Richard Laier (Annettes Großvater) erlernte und liebte die Kunst des Kaffeeveredelns. Der Unternehmens-Chronik kann ich entnehmen, dass über viele bewegte Handelsjahre das Kaffeesortiment durch Annettes Mutter Margarete kontinuierlich von drei auf über 20 Sorten erweitert und qualitativ optimiert wurde. Bis heute werden alle Rohkaffeesorten aufwendig in kleinen Mengen bei möglichst niedriger Temperatur über 15 Minuten ausgeröstet.

 

 

Für den Röstprozess in der Kaffeerösterei Laier ist heute, neben der Chefin, Mitarbeiterin Justyna verantwortlich. Sie gehört neben vier weiteren Kolleginnen zum festen Bestandteil des Teams. Ein bis drei mal in der Woche, röstet Justyna bei möglichst niedrigen Temperaturen von 200 – 220 Grad (die Tradition hat sich bewehrt) kleinere Mengen Rohkaffee. Die Prozedur kann schon mal einen halben, bis ganzen Tag in Anspruch nehmen. Je besser der Röstautomat vorgeheizt ist, desto besser. Bei dem aufwendigen Veredlungsprozess bekommen die am Anfang noch grünen Kaffeebohnen ihre dunkle Farbe und vor allem ihr duftendes Aroma verpasst. Ich erfahre, dass durch das langsame und schonende Röstverfahren der Kaffee sehr bekömmlich und daher hervorragend für den täglichen Trinkgenuss geeignet ist. Während ich Justyna bei ihrer Arbeit über die Schulter schaue, ergänzt Annette stolz: „Durch die lange und schonende Röstweise können erst gar keine schädlichen Akrylamit-Rückstände entstehen.“

 

 

Während ich gespannt mehrere Röstvorgänge verfolge, erzählt mir Justyna ein paar Fakten über das anfänglich beschriebene Herzstück der Rösterei. Die Trommel des Röstautomaten besitzt ein Fassungsvermögen von 15 Kilogramm. Bei den einzelnen Röstvorgängen wird die Maschine allerdings mit lediglich 12 Kilogramm Rohkaffee gefüllt. Nachdem 19 – 20 Minuten vergangen sind (je nach Kaffeesorte), rutschen – von den ursprünglichen 12 – lediglich 10 Kilogramm Kaffeebohnen auf das Abkühlgitter. Dort drehen sie dann ihre Runden, bis sie merklich abgekühlt sind. Die Gewichtsreduktion  der Kaffeebohnen lässt sich auf den Feuchtigkeitsverlust, der beim Rösten entsteht, zurückführen. Die Bohnen trocknen aus.

 

 

Bei jedem neuen Röstvorgang – heute waren es über zehn Stück – nimmt Justyna kurz vor dem Ablauf der Röstzeit immer wieder Proben aus der Trommel der Anlage. Anhand der Proben stellt sie mit ihrem geschulten Auge den Röstgrad der Bohnen fest. An der Farbe erkennt sie, wann der Veredlungsprozess abgeschlossen ist. In der letzten Minute des Röstvorgangs entscheiden Sekunden über den späteren Geschmack. Daher erfordert gerade dieser Moment ihre volle Konzentration und hat oberste Priorität. Bei ca. 25 unterschiedlichen Kaffee- und Espressosorten ist das schon eine enorme Leistung.

 

 

Die präzise Handwerkskunst im Hause Laier wissen vor allem die langjährigen Stammkunden zu schätzen. Viele Kunden kommen bereits seit Jahrzehnten in das Traditionsgeschäft in der Bieberer Straße. „Ein klarer Standortvorteil,“ sagt Annette. Bei der Auswahl der Genussprodukte, die in den Regalen zu finden sind, probiert sie jedesmal aufs Neue, eine Nische zu finden. „Es geht mir bei der Sortimentsauswahl um Produkte, die man nicht an jeder Straßenecke kaufen kann. Ich möchte hochwertige Genussprodukte aus dem Premium Bereich zu einem Preis anbieten, mit dem sowohl meine Kunden „leben“, als auch ich im stationären Handel „überleben“ kann. Ich trage als Inhaberin schließlich eine gewisse Verantwortung für meine Angestellten.“

 

 

In Zeiten von Amazon & Co., und trotz des eigenen Onlineshops, ist das Geschäft nicht gerade leichter geworden. „Die Geschwindigkeit der Onlinewelt – dass alles zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar ist – hat sich schneller verselbstständigt, als dass ihr so mancher Mensch folgen kann. Gott sei Dank spürt man seit einiger Zeit einen leichten Trend, dass die Leute wieder vermehrt vor die Tür gehen, den Kontakt und das Einkaufserlebnis suchen und bei den kleinen Geschäften um die Ecke einkaufen. Sie kaufen vielleicht weniger als früher aber dafür hochwertiger und bewusster ein.“ Die Künstliche Intelligenz hat also noch nicht komplett übernommen. Stattdessen erleben wir ein entschleunigtes Tante-Emma-Revival. Annette freut sich über diese Entwicklung. „Seit einiger Zeit kommen auch vermehrt Studenten und „einfache Leute“ in den Laden, Neukunden, die sich gerne ein gutes Stück Schokolade oder ein exquisites Trüffelöl leisten. Sie schätzen die große Auswahl vor Ort und die zwischenmenschliche Komponente. Das gibt der Onlinehandel nicht her!“ In Zukunft möchte Annette herausfinden, in welche Richtung es mit ihrer Kaffeerösterei und dem angeschlossenen Tee & Spezialitätengeschäft geht. Sie vermutet, dass die Schere zwischen dem stationären und dem Onlinehandel immer weiter auseinander geht. Sie möchte die Dinge fokussierter betrachten und in Ruhe abwägen, ob sie sich mehr auf ihren Onlineshop oder ihr hübsches Ladengeschäft konzentriert. „Man kann schließlich nicht überall gleichzeitig sein,“ sagt Annette mit einem Lächeln im Gesicht!

 

 

Nach der Frage, wie schwierig es für sie ist, jeden Tag aufs Neue bei der Arbeit der Versuchung zu widerstehen, sich nicht den ganzen Tag mit Pralinen, Gebäck oder Süßwaren vollzustopfen? Antwortet mir Annette ganz trocken: „Überhaupt nicht!“ Wenn es hoch kommt, isst Annette im Jahr vielleicht 5 Pralinen. Ich erfahre, dass es für sie viel schwieriger ist, sich von der gekühlten Wurstvitrine fernzuhalten, die sie wohl insgeheim nur für sich angeschafft hat. „Ich greife lieber mal zu einem deftigen Stück Ahle-Worscht aus Nordhessen oder zu einem kräftigen Scheibchen Käse. Ich bin gar nicht so ’ne Süße! In meiner Naschkiste findest du keine Schokolade, sondern eher eine bunte Mischung Cracker, Flips und Chips!“ Es ist für Annette also kein Problem, auf Süßigkeiten zu verzichten. Schwieriger wäre es da für sie, ihren Kaffeekonsum zu mäßigen, wie sie mir erzählt. Aber auch das kann man gut nachvollziehen. Sie kann schließlich jeden Tag aus dem Vollen schöpfen. „Da bin ich natürlich etwas verwöhnt,“ gibt Annette zu, „Ich bediene mich sehr gerne an der Auswahl die wir auch im Laden anbieten. Im Moment trinke ich die afrikanischen Mischungen oder die Wiener-Melange am liebsten. Wenn man, so wie ich, an der Quelle sitzt und täglich zwischen den Sorten wechseln kann, schmeckt man die Unterschiede auch viel besser heraus, was mir bei meiner Arbeit natürlich sehr entgegenkommt.“

 

 

Gott sei Dank ist Annette Laier in der glücklichen Situation, sich nicht entscheiden zu müssen. Sie beweist nicht nur im privaten Bereich (Naschkiste) einen guten Geschmack, sondern kann sich auch bei ihrer Arbeit seit Jahren auf ihren guten Riecher verlassen. Ihr Feingefühl für besonders leckere Produkte beschert ihr seit Jahren eine treue Stammkundschaft  und wird ihr auch bei der zukünftigen Ausrichtung im Ladengeschäft einen verlässlichen Dienst erweisen. Bevor ich mich nach unserem Interview aus dem Staub mache, decke ich mich noch mit einer Bunten-Tüte Pralinen für den Heimweg und einer Packung frisch gerösteter Kaffeebohnen, der vollmundigen Hausmischung – Offenbacher Kaffeeklatsch – für zu Hause ein.

Tradition ist etwas Feines. Vor allem, wenn sie so gut schmeckt!

 

Kaffeerösterei A. Laier, Tee & Spezialitäten  –  Bieberer Straße 12  –  63065 Offenbach am Main  –  Telefon: 069 88 51 70  –  Email: info@kaffeeroesterei.de

 

#schöneeckenausOffenbach

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