Alle man an Bord und Leinen los. Auf kulinarischer Fangfahrt auf der Backschaft

Backschaft

Meine Damen und Herren, hier spricht der Kapitän. Ich möchte euch herzlich willkommen heißen auf dem Bar- und Restaurantschiff Backschaft. Heute nehmen wir Kurs auf einen ausführlichen Hintergrundbericht. Entspannt euch und lasst die Seele baumeln. So lange ihr diese Zeilen lest, übernehme ich für euch das Ruder. Ich bin für euch sowohl auf, als auch unter Deck unterwegs, blicke in die offene Küche der Kombüse und probiere mich, auf euer Wohl, durch einige Drinks in der Spelunke. Zwischendrin plaudere ich auf meinem Törn mit Meerjungfrauen, Seebären, Wassernixen und Piraten über ihren Aufgabenbereich auf dem Schiff, bevor auch dieser Bericht irgendwann wieder seinen Heimathafen ansteuert und ich von Bord gehe. Aber jetzt haltet euch gut fest und genießt die Fahrt. Ich hoffe, es wird keiner seekrank. Volle Kraft voraus und Schiff Ahoi!

 

 

 

Meine Reise führt mich heute an das Offenbacher Mainufer. Zwischen dem großen Parkplatz und dem Waggon am Kulturgleis entere ich an einem sonnigen Frühlingstag das Restaurantschiff Backschaft. Am Nachmittag treffe ich mich mit Gastgeber & Host Marco Sönke der zusammen mit Gunnar Ohlenschläger die Backschaft betreibt. Mein Gesprächspartner ist vielen unter uns sicherlich noch aus seiner Zeit als DJ bekannt. Marco blickt auf eine 25-jährige Karriere in der Clubszene zurück, in denen er in Clubs wie dem Funkadelic, Cookys, King Kamehameha und Cocoon Club als Resident-DJ aktiv war. Inzwischen denkt er immer mal wieder dran, seine Kopfhörer an den Nagel zu hängen. Aber dann juckt es doch wieder in den Fingern und die Entscheidung wird vertagt. 25 Jahre Platten auflegen streift man eben nicht einfach so ab. Gut, dass hinter der Bar, im unteren Teil des Schiffes ein Plattenspieler zu finden ist. Hier findet er sein Ventil, um die Puppen hin und wieder tanzen zu lassen. „Nach wie vor habe ich große Freude daran, durch Platten zu stöbern.“ Aktuell fahren Marco und der Barkeeper Patrick, aka Oli, auf die Kuriositäten aus der „…-O-Rama“ Serie ab. Mal steht auf der Platte das Thema Shake-, mal Exotic– oder auch mal Beach-O-Rama im Vordergrund. Dahinter verbirgt sich 50er Jahre Rockabilly-Zeug, fernab einer klassischen Elvis-Nummer. Die Scheiben sind sehr zu empfehlen. Ansonsten kann man in der Spelunke Jazz- und Blues-Platten, 70er- bis 80er-Jahre-Rock & Pop aber auch moderne Elemente aus der Disco-, Funk-, Soul- und House-Schiene, aus der Rille der Schallplatte hören. „In der Regel ist für jeden etwas dabei und darüber hinaus möchten wir unsere Gäste animieren ihre Lieblingsscheiben mitzubringen. Die dann auch“, nach der Zensur“, fällt Oli ihm ins Wort, … „abgespielt werden.

 

 

 

Auf die Frage, wie man darauf kommt ein Restaurantschiff zu eröffnen, erfahre ich, dass dies mehr oder weniger durch eine Schnapsidee der beiden Gründer Gunnar und Marco entstanden ist. Beide kommen eigentlich aus dem Medien- und Kreativbereich, sind aber schon länger Gastro-interessiert, und bekamen irgendwann Lust auf ein eigenes Projekt. Marco hatte bei seiner Arbeit als DJ immer wieder die Möglichkeit hinter die Kulissen von verschiedenen Gastronomiekonzepten zu blicken. Das alleine macht allerdings noch lange keinen Gastronomen aus. Der Geschäftsführer und Autoliebhaber Gunnar Ohlenschläger fragte letztendlich, ob sie das Vorhaben nicht gemeinsam auf die Beine stellen möchten? Für die beiden Quereinsteiger ging es von Anfang an um kein konventionelles Restaurantkonzept. Das Thema Offenbach, in Verbindung mit Wasser und dem Main, ließ ganz schnell die Idee eines Schiffes am Horizont erscheinen. „So etwas gab’s noch nicht.“ Die beiden haben sich schlau gemacht und mit ersten Ideen jongliert. Über zwei Jahre sind ins Land gegangen, bis es für die beiden letztendlich akut wurde.

 

 

 

Nach dem sich die zwei Leichtmatrosen für ihren Kurs und den Schritt in ungewisses Fahrwasser entschieden hatten, brauchten Gunnar und Marco natürlich noch einen entsprechenden Untersatz. Schwimmen musste er in erster Linie. Um so etwas zu finden schaut man sich in der Regel auf dem Gebrauchtmarkt um. Man kann sich das so ein bisschen wie das „Ebay Kleinanzeigen für Schiffe“ vorstellen. „Es gibt Binnenschiff-Foren auf denen gebrauchte Fregatten angeboten werden,“ sagt Marco. „Wir hatten Boote in der engeren Auswahl. Letztendlich haben wir uns für das ehemalige Partyschiff „Pirat“ aus Gelsenkirchen entschieden“. Bei der Überfahrt über den Rhein wurde das Schiff dann von einem Schubverband an die Seite genommen. „Für die Fahrt auf dem Rhein fehlt unserem Schiff die Zulassung. Den Main können wir allerdings ohne Probleme komplett rauf und runter fahren.

 

 

 

Für alle die es noch genauer wissen wollen, kommen hier noch ein paar Fakten: Die Backschaft ist 37m lang, 6m breit und hat dabei einen Tiefgang von 1,40m. Wenn beide Dieselmotoren, mit zusammen 530PS aus dem Hause Deutz, angeschmissen werden, bringt es das Restaurantschiff auf gute 11/ 12 Knoten. Das entspricht ungefähr 21km/h. Gesteuert wird das Schiff von befreundeten Kapitänen, mit denen die Backschaft zusammenarbeitet. Gunnar ist zwar in Besitz eines Bootsführerscheins und hat auch mal darüber nachgedacht das Patent zu erlangen, es dann aber doch schnell wieder aus den Augen verloren. „Man müsste fast jeden zweiten Tag auslaufen, das wäre ein Fulltimejob. Was uns bleibt ist der Matrosenschein,“ sagt Marco mit einem Lächeln. Matrose wird man nämlich, wenn man 3 Jahre auf einem Schiff gedient hat.

 

 

 

Nach der Überfahrt ging das Schiff dann erstmal für 4 Monate auf die Werft, bevor es letztendlich in Offenbach vertaut wurde. Der Umbau und die Restauration dauerte zwar länger als geplant, ging aber letztendlich doch verhältnismäßig flott über die Bühne. Marco erzählt mir, dass der Innenausbau nach 3 1/2 Monaten erledigt war. „Das ist schon enorm, wenn man sich überlegt, was wir hier alles gemacht haben. Das komplette Schiff wurde entkernt, der Außenbereich aufgefrischt und hat einen neuen Anstrich bekommen.“ Im Gespräch höre ich heraus, dass es im Restaurantbereich am meisten zu tun gab. „Hier haben wir das komplette Dach abgenommen und es um 30cm angehoben,“ sagt Marco. Ursprünglich betrug die Raumhöhe auf der Backschaft nämlich nur 1,85m. Mein Gesprächspartner hätte im Restaurantbereich nicht aufrecht stehen können. „Im Zuge der Umbaumaßnahmen, wurde das Dach dann noch begehbar gemacht, hat Oberlichter und einen Treppenaufgang bekommen.“ Als es für die Crew dann an den Innenausbau ging, wurde es nochmal arbeitsintensiv. „Da das Schiff kaum eine gerade Wand besitzt, mussten alle Arbeiten vor Ort angepasst werden. Nichts an Bord ist vorproduziert. Hier wurde alles vermessen, maßgeschneidert und letztendlich an das Schiff angepasst und eingebaut.“ Die Anstrengungen haben sich allerdings für alle Beteiligten gelohnt. Das Endergebnis schwimmt und kann sich sehen lassen.

 

 

 

Seit November 2016 ist das Restaurantschiff für seine Gäste nun schon an seinem Liegeplatz bei Flusskilometer 41 am Offenbacher Mainufer zu finden. Da weder Gunnar noch Marco gelernte Gastronomen sind, haben sie sich ein kompetentes Team zusammengestellt. An einem Abend sorgen so zwischen 8 und 10 Leute für einen reibungslosen Ablauf an Bord. „Und die braucht es auch,“ sagt Marco. „Gerade in der Küche, bei der Qualität die wir mit unseren Gerichten auf die Teller bringen und anbieten und unserem Serviceanspruch an uns selbst, verlangt es einfach eine gewisse Anzahl an Mitarbeitern.

 

 

 

Für den kulinarischen Kurs in der Kombüse sind die beiden Chef-Smutjes Patric Dresbach und Marcel Haas verantwortlich. Mit ihrer Crew zaubern sie gehobene und internationale Gerichte mit einem regionalen Bezug. Marco sagt: „Wir achten bei unseren Lebensmitteln sehr bewusst auf die regionale Herkunft. Der Käse kommt aus dem Hinterhof von L’Abbate, die Pilze aus dem Gewölbekeller von Kroll und unsere Kräuter stammen von den Feldern aus Oberrad. Wir arbeiten mit einer kleinen Karte, die aber vielseitig ist und regelmäßig wechselt. Die Menüs und die Tellergestaltung sind im Fine-Dining-Bereich angesiedelt. Auf unserem Speiseplan finden unsere Gäste eine Mischung aus Fisch, Fleisch und vegetarischen Gerichten. Beeinflusst werden unsere Gerichte aus dem asiatischen Raum und von europäischen Geschichten. Skandinavischen Elementen stehen wir allerdings ebenso offen gegenüber, wie dem Spiel mit Fermentation. Wir möchten uns da einfach nicht festlegen und lieber kreativ sein.

 

 

 

Steigt man ein Deck weiter nach unten, trifft man auf Patrick „Oli“ Schneider. Was für den Kapitän eines Schiffes das Steuerrad, ist für Oli der Bereich hinter der Bar. „Hier in der Spelunke fühle ich mich wohl und kann mich austoben,“ sagt Oli. Bewaffnet mit Shaker, Jigger und Strainer serviert uns der Barchef erstklassige Cocktails und hochwertige Longdrinks, fernab von Schirmchen und Plastikpalmen. Er versteht etwas von seinem Handwerk und mixt neben Klassikern wie: Moscow Mule, Mojito und Caipirinha auch noch Signature Drinks, die er extra für das Schiff kreiert hat. Diese tragen dann maritime Namen wie zum Beispiel: Landratte, Backschaft Julep, Royal Navy Fizz oder Captain Haddock. Dem Namen nach, würde ich alle mal probieren. Sollte man, trotz der großen Auswahl, nichts auf der Getränkekarte finden, kann man Oli auch nach einem Special-Drink fragen. In meinem Fall hat er sich ordentlich ausgetobt und mir etwas Leckeres mit saurer Note und Meerrettich kredenzt. Das war eine Mixologie für sich! Ansonsten findet man in der Spelunke neben weiteren Spirituosen, natürlich auch alkoholfreie Cocktails und einiges mehr. Dabei darf die typische Buddel voll Rum selbstverständlich nicht fehlen. Wer stattdessen lieber ein Bier trinkt oder aber auf einen edleren Tropfen Wein abfährt, kommt bei der Auswahl auch voll und ganz auf seine Kosten. Das Bier und einige Weine stammen von regionalen Anbietern. Wenn einem also mal nicht nach Essen ist, kann man es sich in der Spelunke natürlich auch ganz ohne Restaurantbesuch und Reservierung gutgehen lassen. Und wenn es im Winter draußen nass und kalt ist, wird in der Bar der Kaminofen angefeuert und sorgt für eine mollige Atmosphäre.

 

 

 

Das Schiff hat einfach eine ganz besondere Anziehungskraft, ein gemütliches Ambiente und eine authentische und eingespielte Seemannschaft. Obwohl das Essen der Kombüse im Fine-Dining-Bereich angesiedelt ist, sucht man Schickimicki vergebens. Arroganz und Hochnäsigkeit steht schließlich keinem Seemann, geschweige denn einer Meerjungfrau. Ohne Dresscode oder andere Voraussetzungen ist jeder willkommen und der Umgang humorvoll und persönlich. Bei mir kommt die gemütlich entspannte Atmosphäre an Bord sehr gut an. Die Service-Crew beantwortet mir jede Frage sehr freundlich und erklärt auch noch dem letzten Gast am Abend, auf kompetente Art und Weise, was er bei dem jeweiligen Gericht zu erwarten hat. Sollte man mal zu früh da, und der Tisch noch nicht ganz fertig sein oder man hat nach dem Essen noch Lust auf einen leckeren Cocktail, empfängt einen die Spelunke im unteren Teil des Schiffes mit offenen Armen. Auch hier wurde in Sachen Deko nichts dem Zufall überlassen. Von Buddelschiffen über anderen nautischen Tinnef und einem Kamin bis hin zur Schiffsglocke, wurde an alles gedacht. An schönen Sommertagen, wenn dann noch die Liegestühle im frisch gemähten Gras stehen und die Gäste sich entspannt mit ihrem Bierchen zurücklehnen oder aber mit einem Gläschen Wein auf dem Vorderdeck des Schiffes den Feierabend einläuten, fühlt es sich vor Ort sogar ein bißchen nach Urlaub an. In diesen Momenten, bekommt man eine vage Vorstellung davon, was Offenbach am Meer bedeutet!

 

 

Während Gunnar schon lange in Offenbach lebt und arbeitet, hat Marco in seiner Jugend viel Zeit in Offenbach verbracht (als es noch ein Kino und Plattenläden gab), hat sich danach aber mehr nach Frankfurt orientiert. Inzwischen steht Marco auf Offenbach und hält sehr viel von der bunten Diversität, die in vielen Stadtteilen zu finden ist. „Offenbach hat sich gewandelt und man entdeckt fast täglich etwas Spannendes/ Neues. Inzwischen kommen die Menschen aus Frankfurt nämlich in die Nachbarstadt, was früher für viele ein Ding der Unmöglichkeit war.“ Privat geht er gerne auf den Wochenmarkt, isst asiatisch im Wabi Sabi oder findet seinen Lieblingsburger im Soupreme. Konkurrenz gibt es nicht. Mit vielen Offenbacher Gastronomen verbinden Gunnar und Marco freundschaftliche Verhältnisse. Mit Esra aus dem Schaumahl, hat Marco beispielsweise schon in den 90ern während seiner Zeit im Cooky’s zusammen gearbeitet. „Trotz einer spürbaren Modernisierung,“ findet Marco, „bleibt hier einfach immer eine gewisse Subkultur vorhanden. Es sind die unterschiedlichen Welten und Nationalitäten, die sich in Offenbach immer wieder neu befruchten und die Stadt dadurch interessanter machen. Wir liegen mit der Backschaft am richtigen Ort vor Anker.“ Abschließend lässt sich sagen, dass Schiffe in den großen Seehäfen der Welt, einfach schon immer dafür verantwortlich waren, neue Einflüsse aus Übersee mit in die Heimat zu bringen. Die Backschaft wertet nicht nur das Mainufer auf, sondern beschert der Stadt Offenbach ein Stückchen mehr Lebensqualität und meinem Stadtmagazin eine weitere schöne Ecke. Meinen Aufkleber habe ich selbstverständlich an Bord gelassen. Jetzt heißt es für die Seemannschaft um Kapitän Gunnar Ohlenschläger, den Kutter auf Kurs zu halten, diesen zu stabilisieren, um mit der Backschaft auch in Zukunft in sicherem Fahrwasser zu schippern. Ich wünsche allzeit Gute Fahrt, immer ’ne Hand breit Wasser unterm Kiel und Schiff Ahoi! Ich sage tschüss, ich komm’ bald wieder …

 

Backschaft  –  Mainstrasse/ Parkplatz Messe/ Mainufer  –  63067 Offenbach  –  Telefon: 069 800 70 70  –  Mail: ahoi@backschaft.com  –  Facebook  –  Instagram

 

#schöneeckenausOffenbach

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